Andy Becks Gedicht

This is a poem by our Final Year student (German / French 2008/09) Andrew Beck.

It was submitted to a competition by the DAAD entitled 'What Happens Next?" (2008) and it won one of the three prizes, namely a 4-week work placement with a company in Berlin plus financial support to assist with travel and accommodation.

 

DIE OPERATION EMBARGO:

STREBEN NACH EINEM ENDE DES BÜRGERKRIEGS IN DER ELFENBEINKÜSTE

Afrikanische Bürgerkriege entstehen typischerweise aus Rassenintoleranz und Gier nach natürlich entstehenden Substanzen.  Manche von denen, die sich in diesen Kriegen befinden oder die natürlichen Ressourcen als Sklaven fördern, sind nur Kinder.

„Throughout the history of Africa, whenever a substance of value has been found, the locals die in great number and in misery.“ — Ausschnitt aus Blood Diamond (2006 Warner Bros.)

 

Teil I: Die Verabredung

 

Der Treffpunkt lag in Berlin an dem Alexanderplatz

Der Tag des Treffens war der 3. Mai 2008

Die Verabredung war für Mittag und die Leut’ liefen vorbei

Doch die Zahl der Leute bei dem Treffen war beschränkt auf zwei

Der erste Mann war nach Berlin von Birmingham geflog’n

Sowohl im Herz’n als auch beruflich war er Philanthrop

Der zweite Mann war aus Berlin und trug ’ne Sonnenbrille

Um unterwegs unerkannt zu bleib’n, so aus freiem Willen

Er trug ’ne Sonnenbrille, weil er ganz berühmt war

Besonders unter Musikfans, denn er war ein Rockstar

Und auch ein Linksextremist, und wenn auch nicht der Erste

War er Farin Urlaub, der Frontmann der Band „Die Ärzte“!

 

Zurück zu dem Mann aus Birmingham kommen wir jetzt

Er war vierundvierzig und er trug den Namen Pears

Eh’mals tätig bei der Weltgesundheitsorganisation

War er jetzt selbständig und arbeitete als Philanthrop

Und mit dem Farin von Den Ärzten war er jetzt verabredet

Das Wetter in Berlin war schlecht, es regnete Bindfäden

Doch sie begrüßten einander ganz herzlich und dann

Fanden sie ein Café, um das Treffen anzufang’n.

 

Teil II: Das Treffen

 

Sie nahm’n im Café Platz und Pears bestellte ’nen Berliner

Urlaub trank ein Weizenbier und rauchte eine Kippe

Dann brachte er ’s Gespräch in Gang, indem er sagte: „Fang’n wir an.

Sie wissen schon, worum’s hier geht, und unser Ziel ist ganz konkret.

Es gibt ein Land mit heißem Wetter aber keiner Wüste,

wo gegnerische Männer und Kinder zum Bürgerkrieg rüsten,

und danach aufeinander schießen, und zwar aus der Hüfte,

der Name dieses Landes ist die Elfenbeinküste.“

 

Urlaub sagte: „Sagen Sie mir bitte mal, warum

sie sich für’s Land interessier’n.  Geb’n Sie mir den Grund.“

Der Pears sagte: „Ich war einmal auf der Uni in Konstanz,

und über die Elfenbeinküste schrieb ich einen Aufsatz.

Ich habe meine Forschung über dieses Land getrieben,

über die Spaltung in dem Land und den fehlenden Frieden,

und seitdem will ich etwas machen, um den Leuten da zu helfen.

Und jetzt sind Sie dran.  Warum sorgen Sie sich für diese Menschen?“

Urlaub sprach: „Neulich sah ich etwas in der Glotz’,

es ging um dieses Land und hat mich richtig angekotzt,

denn dieser Krieg ist recht entsetzlich und es gibt noch keine Wende.

Deswegen will ich ’was machen, um das Leiden zu beenden.“

Pears sagte: „Wir nehmen das Problem selbst in die Hand,

doch wie beenden wir den Bürgerkrieg in diesem Land?“

Der Farin schlug vor: „Damit der Krieg unmöglich wird,

müssen Westler nur aufhören, ihn zu finanzier’n!“

 

Der Farin erklärte, was er damit gemeint hatte:

„Wertvolle Ressourcen wie zum Beispiel Diamanten,

die in der Elfenbeinküste naturgemäß entstehen,

erscheinen im Westen auf den Regalen uns’rer Läden.

Der Konsument kauft diese Waren, doch er hat gar keine Ahnung,

dass gegen Kriegsgeld die Waren uns’re Länder erreicht haben.

Und der Bürgerkrieg geht weiter mithilfe des Kriegsgelds.

Kaufen wir nicht mehr die Waren, und der Krieg geht aus der Welt!“

Der Trevor Pears antwortete: „Und was sind die Produkte,

die uns’re Länder gegen dieses Kriegsgeld schlucken?“

Urlaub klärte auf: „Es gibt sowohl Kakao- und Kaffeebohnen

als auch Diamanten in der ivorischen Konfliktzone.

In dem Westen müssen wir genug Bewusstsein schärfen,

damit diese drei Produkte nicht mehr da gekauft werden.

Durch neue Ärzte-Musik wird die Botschaft in Umlauf gesetzt,

und sobald ich vorwärts komme, schick’ ich dir ’ne SMS,

mit dem nächsten Schritt des Plans.“

Trevor sagte: „Alles klar!“

 

Teil III: An die Arbeit!

 

Und so ging Pears der Philanthrop für den Moment nach Hause

Urlaub ging auf Arbeit und er machte keine Pause

Er traf sich mit dem Bela B und dem Rod von Den Ärzten

Um einen neuen Song zu schreiben, doch dieses Mal ohne die Scherze

Der Trevor musste lange warten, aber er nahm es in Kauf

Und endlich kriegte er ’ne Nachricht: „Wir bringen eine Single raus!“

Die Single hieß „Mit Offenen Augen“ und ging um den Bürgerkrieg

Und darum, dass die Elend wegen des Gelds aus dem Westen stieg

Leute in ganz Deutschland, Österreich und in der Schweiz

hörten dieses Lied, und es brachte sie zum Schweig’n

Die Mehrheit war erstaunt darüber, was der Farin im Lied sang

Und so ging es in der Hitliste auf den höchsten Rang.

 

Fast gleichzeitig fing der Boykott der Produkte an

Der Boykott der Kakao- und Kaffeebohnen, und der Diamanten

Und schon zwei Wochen später tauchte in den Schlagzeil’n auf:

„Die Hauptprodukte der Elfenbeinküste werden fast nicht mehr gekauft!“

Bald danach kriegte der Trevor eine zweite SMS

von Urlaub, in der es stand: „Flieg in die Elfenbeinküste jetzt.

Triff dich mit den Führern von den gegnerischen Truppen,

und sag den beiden, es gebe ’nen Boykott auf ihre Produkte,

und es werde nicht aufhören, bis der Krieg zu Ende geht.

Dann werden sie nichts anderes tun können, als uns nachgeb’n.“

Mit zwei erfahrenen Leibwächtern flog dann Pears nach Afrika

Dank ’ner Subvention von Farin war sein Aufenthalt bezahlt

Mit den Führern von den Truppen wollte Pears dann telefonier’n

Doch er mutete ihnen nicht zu, ein Friedensgespräch mal zu probier’n

Und leider, als er sich später in Verbindung mit dem Farin setzte,

überbrachte er die Nachricht: „Der Krieg ist noch nicht zu Ende.“

 

Doch Farin blieb positiv: „Wenn der Boykott weitergeht,

werden der Gbagbo und der Soro  endlich nachgeben.

Denn es kommt zum Zusammenbruch, früher oder später.“

Und Farin hatte Recht, denn nur eine Woche später

Hatten sie ein bisschen Glück, und zwar ein großes Stück!

 

Teil IV: Fortschritt

 

Der Glücksfall kam als Überraschung als Farin entdeckte

das Interesse an der Sache von der englischen Presse

Er hatte sogar nicht geplant, sein Lied da drüb’n herauszubring’n

Deswegen war er erstaunt, es in der britischen Hitliste zu finden!

Doch der neue Ärzte-Song war da, und zwar auf Nummer sechs

Irgendjemand hatte das Lied in das Englische übersetzt

So ’ne Position für einen deutschen Song war sehr sehr selten

Und so begann die Wahrheit hinterm Lied, als nennenswert zu gelten

Allerlei Berichte über den Bürgerkrieg erschienen

In britischen Zeitungen und auch in Leserbriefen

Die Wichtigkeit der Sache breitete sich auch aus über den großen Teich

Und dabei stieg der Boykott in die Höhe, und zwar sogleich

Der Farin war total begeistert, und er schrieb dem Pears:

„Jetzt muss der Krieg zu Ende geh’n!  Die Finanzierung gibt’s nicht mehr!

Warte einige Tage noch und ich gehe jede Wette ein,

dass der Soro und Gbagbo dieses Mal bei dir erschein’n!“

 

Und daher wartete der Trevor in seinem Hotel

In der Hauptstadt und hoffte, jemand würde sich mal meld’n

Und eines Morgens, als er in dem Restaurant die Zeitung lies,

kam ein Empfangsmitarbeiter mit einer Nachricht für ihn

Er sagte ihm: „Sie soll’n lieber den Konferenzraum buchen,

denn der Gbagbo und der Soro wollen Sie hier mal besuchen.

Die beiden haben mir gesagt, es geht um Ihr Friedensgespräch,

also es scheint, als ob die harte Arbeit sich endlich auszahlt!“

Und so der Konferenzraum wurde kurzerhand gebucht

Und Farin flog schnell von Berlin auf ein Stück von dem Kuchen

Die beiden saßen in dem Zimmer, dann klopfte es an der Tür

Beide atmeten tief ein, dann sagte Pears: „Herein, Messieurs!“